Bremen, Blogs & Bildungsbürger

Natürlich und zu Recht führte uns die Bildungsexpedition nach Bremen zu Educampern, Organisatoren und Medienpublizisten  Thomas Bernhardt, Helge Städtler und Karsten Wolf! Es erwartete uns ein Repertoire eloquenter Beiträge, scharfer Analysen und kultureller Mediendiagnosen.

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Aber bevor ich euch meine Faszination dieses Roundtables en Detail schildere, nutze ich die interessanten Kommentare aus unserem Liveblog. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Twittergemeinde, die sich so rege beteiligt.🙂

„@expeditionD ja Sinn! Aber Sinn kann man nicht verordnen, nicht stiften, nicht vorsagen, Sinn ist immer individuell persönlich und wird selbst konstruiert“ (Lisa Rosa)

„Was soll das bringen #subversives teachen? ?¿“ (Andreas Auwärter)

„Wird das sharen die Gesellschaft verändern? Wie seht ihr das?“ (Bildungsexpeditionsteam)

„Da ist ein sehr schmaler Grad zur Missionierung…“ (ths01)

Und nun: holt euch etwas zu trinken, lehnt euch zurück und lauscht den Machern und Denkern einer innovativen Generation.

Viele Grüße, Melanie

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Berliner Eltern gehen auf die Barrikaden

Gestern abend trafen wir uns mit drei Eltern von autistischen Kindern in Berlin: Frank Schmidt, Monika Scheele Knight und Sabine Behriger vom Elternzentrum Berlin.

Die Eltern, die sich in diesem Zentrum zusammengeschlossen haben, klagen über die aktuelle Entwicklung in Berlin. Das Problem: Es werden Schulhelfer aus den Schulen abgezogen. Autistische Kinder benötigen aber oft eine sehr intensive Betreuung und sind auf die Schulhelfer angewiesen. Die Betreuung durch nicht speziell ausgebildetes Personal führt dazu, dass die Kinder häufig mehr oder weniger an den Schulen „verwahrt“ werden und ihre Zeit absitzen. Den Eltern ist es aber natürlich ein besonderes Anliegen, dass ihre Kinder in der Schule auch etwas lernen, nämlich das, was in ihren Möglichkeiten liegt. Klingt eigentlich selbstverständlich, scheint es aber in Berlin nicht zu sein.

Wir sprachen mit den Eltern am 7.9.2009 in Berlin. Das Gespräch könnt ihr in unserem Audiopodcast anhören.

Nach unserem Gespräch zückte Frank Schmidt gleich sein Handy und informierte uns über aktuelle Neuigkeiten zum Elternprotest. Die Eltern sind vernetzt. Nach Aussage der drei Eltern ist die Online-Vernetzung Gold wert. Der Online-Protest lässt sich viel leichter und günstiger organisieren als Offline-Aktionen und man erzielt mehr Aufmerksamkeit. So nutzen beispielsweise die Eltern auch Twitter (@Schulhelfer), um die entsprechenden Protestneuigkeiten zu verteilen.

Insofern eine Bitte: Bitte verteilt die folgenden Links im Netz und twitttert darüber, dass die Eltern ordentlich Aufmerksamkeit bekommen!

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Ist die Bildungsexpedition Forschung?

Bei unserem Besuch im Learning Lab der Uni Duisburg wurde von Michael Kerres die Frage aufgeworfen, ob denn die Bildungsexpedition Forschung ist. Die Diskussion wurde in einem Video festgehalten:

Sicherlich sind wir nicht unterwegs um die Bildungslandschaft in Deutschland mit einem wissenschaftlichen Anspruch zu beforschen. Wir haben Hypothesen im Gepäck und werden am Ende der Reise voller Erkenntnisse zurückkehren. Die Frage hat jedoch zu einer Reflexion unsere Reise geführt. Bei den bisher besuchten Projekten gibt es teilweise Gemeinsamkeiten, die sich bei einer ersten Analyse im Sinne einer Typologie zeigen:

Wenige bewegen viel: Projekte wie die jungen Kritiker am EMA in Bonn oder die Streitschlichter in Cloppenburg werden von einzelnen bzw. einer kleinen Gruppe von Lehrkräften angestoßen. Die Schüler in Bonn bekommen von einem Buchladen Leseexemplare noch nicht veröffentlichter Bücher, innerhalb der Schulbücherei etabliert sich ein Markenzeichen „Von den Jungen Kritikern gelesen“. In Cloppenburg wird die Arbeit der freiwillig tätigen Schülern als Streitschlichter als Entlastung der Lehrkräfte und als wichtiger Beitrag zu einer Schulkultur gesehen. Somit „strahlen“ diese Projekte innerhalb der Organisation Schule und entfalten ihre Wirkung auch darüber hinaus.

Entgrenzung: In der Oskar-von-Miller-Schule in Kassel wird der Umbau der Schule genutzt, um die räumlichen Grenzen bisheriger Klassenzimmer aufzuheben und um zu flexibel teil- und nutzbaren Unterrichtsräumen zu gelangen. Bei der Nutzung von Second Life zu Schulungszwecken „verschwimmen“ die Grenzen zwischen Realität und Virtualität. Die Trennung zwischen Lehrern und Schülern wird zugunsten eines eher partnerschaftlichen Miteinanders aufgehoben.

Vernetzung: Viele der bisherigen Reiseziele nutzen das Internet, die Werkzeuge des Web 2.0 und Twitter. Einerseits ändert dies die Kommunikation zwischen Lehreren, Eltern und Schülern, andererseits wird auch immer wieder der Kontakt zu Personen und Institutionen außerhalb der Bildungsinstitution durch das Internet aufrecht erhalten.

Mit dieser ersten Klassifizierung kann es möglich sein, die weiteren Projekte mit einem eher forschenden Blick zu sehen. Weiter können wir versuchen die Erlebnisse und Erfahrungen der Reise einzuordnen.

Viele Grüße, Florian

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Stimmen aus dem OFF – die Blogosphäre

Wir bewegen uns im Web 2.0! Wir streamen, twittern, bloggen, rufen das Webradio fast stündlich an, … doch was würde das bringen, wenn wir euch nicht mitgenommen hätten auf diese Expedition?! Nicht auszudenken, wenn IHR unserem Aufruf nicht gefolgt wärt! An dieser Stelle ein Dankeschön an alle, die sich unermüdlich mit uns durch die tiefsten Dickichte der deutschen Bildungslandschaft schlagen um die leuchtenden Aussichten zu dokumentieren, zu publizieren und zu reflektieren. Hier nun ein erster Überblick aus der Blogosphäre der Bildungsexpedition Deutschland.

René Scheppler: Lehrer, Blogger, Netzwerker, Inspirateur und zu Gast bei der Bildungsexpedition.

Dörte Giebel: „Ich bin ein Lernjunkie!“

Jean-Pol Martin: „Nicht Medienfachleute, Lehrer schaffen den Sinn“ & Leidensdruck als Erkenntnismotor

Michael Kerres: Bildungsexpedition am Duisburg Learning Lab

Lisa Rosa: Anregungen und Conclusio

Thomas Sporer (imb): Start der Bildungsexpedition

Sl-Talk (Andreas Mertens und Tobias Würtz): Über Guerillas und Stromräuber

Herr Larbig: Bildungsexpedition in Frankfurt am Main

KOMA-Medien: PM:Bildungsexpedition Deutschland

Johannes Moskaliuk: Bildungsexpedition in Tübingen

Weiterbildungsblog Jochen Robes: BildungsexpeditionD

reticon Bildung und neue Medien: Expedition durch Deutschland

Blogpatenschaften: Vorbericht

trau.kainehm: Lutz Berger und Christian Spannagel gehen auf Tour

riecken.de: Vorwerbung

Vielen herzlichen Dank an alle Blogger und bleibt dabei, es ist noch lange nicht vorbei!

Eure Bildungsexpediteure

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Über Netbooks im Unterricht und didaktische Fantasien

Am Samstag, dem 5. September, besuchten wir Thomas Unruh vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg. Thomas Unruh betreibt zudem die Homepage guterunterricht.de. Er lud uns in sein Haus im wunderschönen Blankenese ein. Dort ließen wir uns in seinem Wohnzimmer nieder und begannen das Gespräch. Herr Unruh hatte zu dem Interview auch die drei Referendarinnen Swantje Krämer, Sabine Schönsee und Beatrice Kosmala eingeladen. Die drei Referendarinnen sind in der letzten Phase ihrer zweiten Staatsexamensausbildung. Mich hat beeindruckt, dass sie so begeistert waren von ihrer Arbeit mit den Netbooks in der Schule. Sie klangen sehr enthusiastisch und freudig.

Swantje Krämer hatte für ungefähr 20 Schüler 8 Netbooks zur Verfügung und setzte diese in Stationenarbeiten ein. Sie installierte im Mathematikunterricht diverse Computerspiele und Lernprogramme (z.B. das dynamische Geometriesystem GEONExT). Die Schüler konnten dann an bestimmten Stationen mit „herkömmlichen“ Medien arbeiten, zum Beispiel mit Arbeitsblättern oder geometrischen Objekten. An den Stationen mit Netbooks konnten die Schüler mathematische Computerspiele, Übungs- und Simulationsprogramme ausführen. Interessant daran finde ich, dass man bei diesem Prinzip alte und neue Medien gemeinsam in einer Stunde einsetzen kann. In offenen Lernsituationen gibt man den Schülern dabei die Möglichkeit, Medien ihrer Wahl zu benutzen.  Zudem kann man die Netbooks jederzeit einsetzen, falls Sie immer Klassenzimmer eingeschlossen sind und sie für Freiarbeit oder zum Suchen benutzen. Neue Möglichkeiten bieten die Netbooks auch für den Englischunterricht: Die Schüler können beispielsweise bei leo.org Vokabeln recherchieren und können sich die Vokabeln von „native speakern“ originalgetreu vorsprechen lassen.

Sabine Schönsee setzte die Netbooks im Rahmen von selbstreguliertem Lernen ein. Sie ließ die Schüler im Internet recherchieren. Davor hatte Sie ein Karteikarten-Programm (Lassi, Learner’s Assistant) installiert. Auf den Karteikarten können die Schüler die recherchierten Informationen ablegen. Es wurde dabei besonders darauf geachtet, dass die Schüler nicht nur die Informationen aus dem Internet unreflektiert und ungelesen in die Karteikarten kopieren, sondern die Texte kürzen, überarbeiten und zusammenfassen.

Beatrice Kosmala setzte die Netbooks an ihrer bilingualen Schule in der 7. Klasse ein. Dort wird die Sprache Deutsch und Spanisch unterrichtet. Mit Netbooks und iPods konnten die Kinder Mini-Dialoge auf Spanisch anhören und versuchen diese nachzuvollziehen. Die Dialoge beinhalteten einfache Wörter wie zum Beispiel Zahlen von 1 bis 10, Farben und Wochentage. Das Wertvolle daran ist, dass die Schüler die Dialoge so oft wiederholen konnten, bis sie diese vollständig verstanden hatten. Ein Beispiel, dass die Referendarin nannte, war eine Telefonnummer. Die Schüler hörten sich die Telefonnummer so oft an, bis sie diese vollständig wiedergeben konnten.

Anschließend sprach Herr Unruh noch über didaktische Fantasien und den Einsatz von Ritualen wie beispielsweise der „Frage des Tages“. Das gesamte Gespräch kann man sich in unserem Video ansehen.

Sebastian Wehner

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Die Streitschlichter-AG in Cloppenburg

Am 4.9.2009 besuchten wir das Clemens-August-Gymnasium in  Cloppenburg. Die Empfehlung und Einladung dorthin haben wir von dem dortigen Chemie- und Deutschlehrer Maik Riecken erhalten. In diesem Gymnasium haben wir die Schüler-Streitschlichtergruppe unter Betreuung der Lehrer Frau Bärbel Bröring, Herr Schmitz und Frau Johannes und anderen Lehrern besucht. Wir wurden fröhlich empfangen und haben auch gleich unser langersehntes Bildungsexpeditions-Gruppenfoto gemacht.

Als erstes schauten wir uns den Streitschlichterraum an. Dieser Raum wurde von den Streitschlichtern der letzten Jahre ausgestaltet und angemalt. In diesem Raum finden die Streitschlichtergespräche statt. Ein Streitschlichtergespräch läuft folgendermaßen ab:

Als erstes müssen die Schüler an der Schule wissen, dass es überhaupt ein Streitschlichterprogramm gibt. Dies erfahren Sie dadurch, dass in jedem Klassenzimmer ein Poster mit der Info über das Streitschlichterprogramm hängt. Auf diesem Poster befindet sich ein lustiges Cartoonbild mit Streitaction im Klassenzimmer. Eine Person, die aus dem Chaos entflieht, spricht folgenden Satz: „Ich glaub da hilft nur noch ein Streitschlichter“. Unten auf dem Poster steht die Information zum Kontakt zu den Streitschlichtern. Außerdem hängt ein  Briefkasten, in den man die Einladung zum Streitschlichtergespräch einwerfen kann. Auf dem Anmeldezettel zur Streitschlichtung können beide Konfliktparteien ihre Namen eintragen unter ‚Konfliktpartei A‘ und ‚Konfliktpartei B‘. Darunter füllt man aus, worum es geht, z.B. um eine Meinungsverschiedenheit, eine Beleidigung, eine Beschädigung eine Sache, einen körperlichen Angriff, eine Verletzung einer Regel oder das Wegnehmen einer Sache. Weitere Konfliktfelder können per Hand eingetragen werden. Außerdem wird eingetragen, auf wessen Wunsch die Streitschlichtung eingeleitet werden soll. Nachdem die Meldung eingegangen ist, wird ein Termin für das Streischlichtergespräch vereinbart. Bei dem ersten Streitschlichtergespräch wird ein Schlichtungsformular/Einigungsformular von den beiden Schlichtungsparteien vereinbart und unterschrieben. Außerdem wird ein Überprüfungstermin und -ort vereinbart. Dann beginnt das Schlichtungsgespräch.

Wichtig dabei ist, dass die Lösung des Konflikts nicht von den Streitschlichterschülern erarbeitet wird, sondern von den beiden Konfliktparteien selbst gefunden wird. Die Schüler, die Streitschlichter werden wollen, fahren jedes Schuljahr mit den genannten Lehrern für 3 Tage auf eine Art Streitschlichter-Workshop nach Tühle in eine Jugendherberge. Der nächste steht kommende Woche an. Die Streitschlichter konnten uns versichern, dass Sie schon zahlreiche Konflikte auf diese Weise gelöst haben, und mit diesem wohlen Gefühl verließen wir wieder das Clemens-August-Gymnasium mit dem Ziel, ein Hotel für die nächste Übernachtung zu finden.

lg Sebastian Wehner

Aber lassen wir die Streitschlichter selbst sprechen:

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Zwischen Humanismus und Humankapital

Eine Insel mit zwei Toren… Hombroich in der Nähe von Düsseldorf-Neuss. Auf Google-Maps sieht man genau dort – einen fast weißen Fleck. Anybody knows? Verabredet sind wir mit John Kayser vom Rheinischen FührungsColleg in der Scheune. Moderne Kunst an paradiesischer Natur, bieten Flora und Fauna einen wundervollen Anblick, doch selbst die Trauerweiden scheinen etwas zu verbergen. Im Laufe unserer Expedition haben wir erfahren, wie aufklärend die informellen Gespräche nach dem Cut sind und so haben wir hier einen etwas ungewöhnlichen Beitrag.

Zunächst das ungeschnittene Interview mit Herrn Kayser über Humanismus, Persönlichkeitsentwicklung und Elitenförderung, eloquent und ein Kompaktkurs in Rhetorik: empfehlenswert!

Gleichwohl –  die Performance wurde von den Expediteuren ebenso beeindruckend wie widersprüchlich empfunden. Uneingeschränkt empfiehlt sich dagegen die heimische Küche: Drei Sterne! Die Fakten: Das Programm wird auf der Basis des Non-Profits durchgeführt. Ungefähr sechs Teilnehmer durchlaufen pro Jahr die Führungsentwicklung und es werden weder Kosten noch Mühen gescheut. Nur, wer zahlt das alles? Und wer bezahlt dafür? Wer hat ein Interesse an diesen Elitenförderung? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Interessant auch die Aussagen, die wir im Web-Radio-Podcast erwähnten.  Es ging um einen Teilnehmer des Programms, dem „vor den Bug geschossen wurde, weil seine Grundhaltung“ nicht angemessen wäre. Persönlichkeitsentwicklung vs. Formatierung? Es waren solche und andere Bonmots, die für Irritation unsererseits sorgten. Aber vielleicht ist auch alles ganz anders und wie gesagt, das Essen war phantastisch. Und so nahmen wir interessante Erfahrungen und Eindrücke mit und weiter ging die Fahrt nach Cloppenburg zu den Streitschlichtern. Ende gut, alles gut.

Melanie

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